Historie
Bereits ca. 2000 vor Christus haben Reiternomaden aus Indien und Osteuropa nachweislich zu Pferd gejagt. Damals war man darauf angewiesen zu jagen und das Pferd ermöglichte es, genauso schnell zu sein, wie die auserkorene Beute. In den Ausführungen von Xenophon (430 – 355 v. Chr.) gehörte die Jagd zu Pferde zur Erziehung junger Männer dazu, denn nichts wäre besser, um Augen und Ohren zu schärfen. Auch von Alexander dem Großen ist seine Liebe zum Jagdsport zu Pferd bekannt. Viele Berichte über das Jagdreiten folgten im Lauf der vergangenen Jahrhunderte und auch in der heutigen Zeit hat dieser Sport nichts von seiner Faszination verloren, auch wenn die Jagd auf lebendes Wild in Deutschland seit 1934 gesetzlich verboten ist.
Das Jagdpferd
 
Bei der heutigen Pferdezucht sollte es kein Problem sein, einen passenden Vierbeiner zu finden, der vom Exterieur wie Interieur dazu geeignet ist, eine Reitjagd mitzumachen. Die Ausbildung eines jungen Pferdes sollte möglichst vielseitig (Dressur, Springen, Ausreiten incl. Gruppengalopp) aufgebaut sein, damit es ab einem Alter von 5-6 Jahren als charakterlich gefestigtes Tier seine Karriere als Jagdpferd beginnen kann. Während dieser Phase sollte auch der langsame Aufbau einer entsprechenden Kondition erfolgen, denn nur ein ausdauerndes Pferd genügt den Anforderungen während einer Jagd. Die Ausrüstung (Trensenzaum, Ringmartingal und gut passender Vielseitigkeits- bzw. Springsattel) sollte stets sorgfältigst auf ihren Zustand hin kontrolliert werden. Ein noch nicht an Jagden gewöhntes Pferd bekommt als Kennzeichen eine grüne Schleife in den Schweif gebunden, ein Pferd mit „flinken Füßen“ eine rote Schleife, damit Abstand gehalten wird.
Der Jagdreiter
Genauso wie das Pferd sollte derjenige, der Jagden reiten möchte, eine vielseitige Ausbildung genossen haben. Dies ist die Grundlage für eine Jagdreiterkarriere bis ins Alter. Die Ausrüstung für die Jagd besteht aus passenden Stiefeln, einer hellen Reithose, einem gedeckt farbigen Reitsacko mit Plastron, einem passenden Reithelm mit 3- oder 4-Punkt-Befestigung, griffigen Handschuhen, sowie – zur eigenen Sicherheit – einer Sicherheitsweste. Der rote Jagdrock, der dem Jagdfeld sein buntes Bild verleiht, ist sehr jagderfahrenen Reitern (ca. 10 oder mehr Jagden) und meist den männlichen Angehörigen der Hundemeutenhalter vorbehalten.
Die verschiedenen im KRV Lüchow-Dannenberg ausgeübten Jagdarten zu Pferd
  
Die Fuchsjagd
Die Fuchsjagden hier in der Region unterscheiden sich von den in anderen Gegenden üblichen normalen Jagden, bei denen nach der Fuchslunte gegriffen wird. Hier gibt es einen fiktiven Fuchs, der durch das Tragen eines roten Rockes mit angehefteter Lunte auf der linken Schulter erkennbar ist und die Jagd (mit einer finanziellen Unterstützung durch den Reitverein) ausrichtet. Die Jagd wird vielfach als Schnitzeljagd veranstaltet, d.h. der Fuchs streut auf seiner Jagdstrecke an bestimmten Stellen Papierschnitzel oder Holzspäne und steckt auf seinem Ritt an erreichbaren Stellen Fähnchen fest. Auf der Fuchsfährte folgt mit zeitlichem Abstand das Jagdfeld und sammelt die Fähnchen wieder ein. Diejenigen, die ein oder mehrere Fähnchen ergattern, erhalten zum Abschluss besondere Fähnchenpreise. Ist der Fuchs endlich gestellt, versuchen die Reiter den Fuchs zu „erlegen“ indem sie ihm die Lunte von der linken Schulter reißen. Dabei reitet man von links an und greift mit der rechten Hand zu. Derjenige, der die Lunte erwischt, ist dann der neue Fuchs, der im nächsten Jahr die Jagd ausrichtet.
Die Reitjagd/Hubertusjagd
Auf einer vorher abgestimmten Strecke (Wege und abgeerntete Felder) wird eine Jagdstrecke mit verschiedenen, breit gestalteten Hindernissen aufgebaut. Die Einteilung der Jagdfelder erfolgt in verschiedenen Feldern. Das erste Feld ist den springenden Jagdreitern vorbehalten, das zweite den meist nicht springenden Reitern und bei Bedarf gibt es auch ein Ponyfeld, in dem sich der Nachwuchs tummelt.
  
Die Schleppjagd
Verschiedene Meuten geben sich im Landkreis Lüchow-Dannenberg ein Stelldichein. Die Niedersachsenmeute, der Hamburger Schleppjagd-Verein e.V. und der Schleppjagdverein Warendorfer Meute jagen mit Foxhounds, der Schleppjagdverein Böhmer Beagle Meute e.V. hinter quirligen Beagles. Die Jagdtermine dieser Meuten stehen schon zu Beginn des neuen Jahres fest. Somit kann man schon sehr gut im Voraus seine Jagdsaison planen. Die Jagdstrecken werden mit Landwirten und Jagdpächtern mit Rücksicht auf die Natur abgesprochen. Hierbei wir auch auf die Länge der einzelnen Strecken geachtet, die aufgrund des flotten Tempos der Hunde ca. 3 km nicht überschreiten sollten. Natürliche Hindernisse werden genauso einbezogen wie naturnah gebaute Hindernisse. Am Jagdtag werden die einzelnen Jagdabschnitte durch die Schleppenleger mit einer speziell für jede Meute angemischten Lösung aus Tropfkanistern markiert. Der Master lässt nach einer kleinen Zeitspanne die Hunde auf die Spur. Hinter dem Master und seinen Pikeuren folgen die Jagdreiter. Jedes Feld wird von Feldpikeuren begleitet. Es wird „Strich“ und versetzt geritten, damit man niemanden behindert oder verletzt (besonders nicht die Hunde), außerdem behält man während der ganzen Jagd seinen Platz bei. Nur durch solch faires und rücksichtvolles Reiten hat jeder Teilnehmer seine Freude. Am Ende der Jagd bekommen die Hunde ihre Belohnung – die Currée - in Form eines Rinderpansens.
 
Über den FN Verlag in Warendorf ist das Handbuch „Jagdreiten“ von Günther Dörken und Hubert Stegmann erschienen ISBN 3-88542-347-2 sowie ein Video/DVD zum Thema
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